You fools of fortune…

– Shakespeare, Timon Of Athens Act 3, scene 6, 96 –

 

Da ist es wieder. „Mit Geisteswissenschaften gegen rechts – Nazis weglabern – Das Problem an den Rechten…“. Nazis und Rechte werden in einem Atemzug genannt. Einer Differenzierung bedarf es nicht. Gebetsmühlenartig erreicht mich der Aufruf, die Themen Terrorismus und Flüchtlinge nicht zu vermischen und Flüchtlinge doch bitte nicht zu stigmatisieren. Ich würde Leuten wie Ihnen ja so gern glauben. Wenn da nicht diese klitzekleinen Hinweise in Ihrem und Ihresgleichen Diskurs wären, dass diese Regel nur selektiv anzuwenden ist. Und zwar auf von Ihnen als schützenswert definierte Gruppen von Menschen.

Ansonsten ist die Kategorisierung von Menschen natürlich erlaubt, so es denn der gerechten Sache dient. Alle Männer sind potentielle Vergewaltiger. Alle Jäger sind Mörder. Die Polizei ist Handlanger des Kapitals oder sonstwelcher dunkler menschheitsfeindlicher Mächte. Und wer verschiedenen Kulturen unterschiedliche Werte beimisst, ist ein Kulturrassist. Um mal ein paar Beispiele zu nennen. Und dann hauen Sie da wieder einen raus und betreiben auf das innigste die Vermischung von Nazis und Rechten beziehungsweise die Stigmatisierung von Rechten als Nazis.

Ich könnte jetzt darauf hinweisen, dass ich wahrscheinlich im Gegensatz zu Ihnen Frau Stokowski noch ursprüngliche Nazis kannte. Zum Beispiel meine Großeltern. Und dass es mir sehr schwer fällt, da die Parallelen zum Heute zu finden. Aber dazu vielleicht ein andermal.

Trotz, oder wegen, Ihrer geisteswisseschaftlichen Ausbildung frage ich mich wie Sie auf die Idee kommen, dass nur bestimmte Gruppen es verdient haben, vor Diskriminierung beziehungsweise der Kategorisierung als Menschengruppe mit negativen Eigenschaften geschützt zu werden? Diese Idee ist herablassend und inkohärent. Sie nimmt als Prämisse das an, was Sie doch gerade aus den Köpfen der rassistischen Bösewichte eliminiert sehen wollen: Die unterschiedliche Wertigkeit unterschiedlicher Menschengruppen. Die Anzahl an menschlichen Gruppen, die Diskriminierung und Erniedrigung erlitten haben, erleiden und noch erleiden könnten ist groß. Die Verfolgung auf ökonomischer Grundlage ist wohl genauso häufig anzutreffen wie die Verfolgung auf rassischer Grundlage. Einige wenige Gruppen für speziellen Schutz auszuwählen ist zutiefst diskriminierend.

Wenn Demonstranten fordern, die Überfremdung zu stoppen, versuche ich, mich in die Situation eines syrischen Flüchtlings oder eines eingebürgerten Türken hineinzuversetzen. Es ist nicht angenehm, von anderen Menschen als Plage und Ärgernis wahrgenommen zu werden. Gerade wenn man versucht, sich an eine Gesellschaft anzupassen und in ihr zu leben. Genauso sollte ich aber als Flüchtling oder Nachfahre von Einwanderern versuchen, zu verstehen, warum die Mehrheit einer einheimischen Bevölkerung die fundamentale Veränderung der eigenen Gesellschaft durch Einwanderung ablehnt oder eine Beschränkung von Einwanderung fordert. Auch historisch ist es übrigens vollkommen normal, dass gerade Mitglieder von Einwanderergruppen eine solche Beschränkung unterstützen, nicht nur aus Sorge um eine negative Rückkopplung auf sie selbst.

Sie Frau Stokowski schweben über den Dingen. Takt und Empathie im Umgang mit Flüchtlingen und Einwanderern kann weder durch Gesetze noch durch Gelaber erreicht werden. Die Einsicht, dass der Versuch Toleranz zu verordenen und fehlende Toleranz zu diskreditieren, gerade das Gegenteil dieser Intention erzeugt und erzeugt hat, haben die Rechten Ihnen voraus. Dass so etwas wie Tragik und Schicksalhaftigkeit in der aktuellen Situation zu finden sein könnte ebenfalls.

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