Raise your glass to the hard working people
Let’s drink to the uncounted heads
Let’s think of the wavering millions
Who need leading but get gamblers instead

(M. Jagger/K. Richards)

 

Viele Kommentatoren und auch Volkes Stimme machten es sich einfach und verglichen nach den Krawallen in London und anderen englischen Städten britische Plünderer mit britischen Bankern. Jeder der an Rechtsstaatlichkeit und freie Märkte glaubt, kann über solche Vergleiche nur lachen. Die Mehrheit der Banker handelte nicht kriminell sondern wenig vorausschauend. Dies wird in unserer Gesellschaft nun einmal durch die Realität und nicht den Gesetzgeber bestraft. Die Mehrheit der Plünderer handelte illegal. Lassen wir also diese Vergleiche die Kirche im Dorf. Und selbst der Mann von der Strasse wird letztendlich eine Wirtschaftskrise dem Herunterbrennen seines Hauses und sonstigen Eigentums vorziehen.

Denkt man aber mal etwas weiter, so kommt man an einer Gemeinsamkeit nicht vorbei. Und dies ist nicht, dass Banker auf der einen und Plünderer und Krawallmacher auf der anderen Seite gleich gierig sind und es ihnen an Empathie fehlt. Nein, es ist die Tatsache dass beide Bevölkerungsgruppen seit Jahren von der britischen Politik als schützenswerte Gruppen verhätschelt werden. Es mangelte an Disziplin und Konsequenz gegenüber beiden doch so verschiedenen Minderheiten. Beide, Banker und Plünderer, wurden abhängig vom Staat. Und von Abhängigen ist keine Dankbarkeit zu erwarten. Stattdessen reagieren die Verhätschelten auf eine vorhersehbare Art und Weise. Wie übrigens auch jetzt und in der Vergangenheit große Teil des griechischen Volkes

Fangen wir also mal mit den Bankern und nicht nur den britischen an. Seit Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts profitierten die westlichen Grossbanken und Finanzunternehmen von einem nie dagewesen Willen, sie vor Marktkräften zu schützen. To big to fail. Dies galt und gilt nun schon seit mehr als dreißig Jahren für die Finanzmärkte und trieb das freie Kapital von privaten und institutionellen Investoren in die Finanzindustrie bei gleichzeitiger Vernachlässigung des produzierenden Gewerbes. Ein hoch profitables Gewerbe wurde ausfallsicher gestaltet. Wo Disziplin von außen nicht angefragt wird, braucht man sich nicht zu wundern, wenn auch von innen jede Selbstdisziplinierung fahren gelassen wird. Und seit der Krise von 2008 hat sich dieses Trend eher noch verfestigt. Dabei sollte doch eigentlich jedem klar sein. Wenn man sorglose Finanzakrobaten nicht untergehen lässt, wird man sich neue heranzüchten. 

Ähnliches gilt angewandt auf die Plünderer und Krawallmacher. Wer schlechtes Benehmen nicht bestraft, bekommt mehr schlechtes Benehmen. Alle britischen Regierungen der letzten Jahrzehnte, unabhängig von Ihrer politischen Ausrichtung haben klar gemacht, dass sie an so etwas wie Null Toleranz nicht glauben. So wurden die Plünderer wie die Banker nach und nach eine kleine Minderheit mit besonderen Kenntnissen darin, schwache und inkonsistente politische Entscheidungen für sich auszunutzen. Man kann auch sagen, der Markt der Politik hat funktioniert. Die Anreize von Seiten der Regierung wurden erkannt und beide Gruppen haben rational darauf reagiert. 

Nun hat aber außer der Wurst alles ein Ende und es trifft die Krawallmacher hart. Bad luck möchte man ihnen zurufen. Dies ändert natürlich nichts daran, dass, ob nun für Banker oder eine frustrierte Unterklasse, statt Aktionismus langfristige und konsistente politische Programme und Signale das Beste wären. Es gibt noch genug andere verwöhnte Minderheiten in der westlichen Welt. Man sollte mal darüber nachdenken, welche fatalen Signale an diese Gruppen gesandt werden. Aber vielleicht löst sich das Problem ja von selbst. Die Überschuldung der westlichen Staaten ist vor diesem Hintergrund nicht als Bürde sondern als willkommener Anlass zur Befreiung von der Klientelwirtschaft zu begreifen. Das Problem ist nämlich weder die Einnahmen- noch die Ausgabenlage. Das Problem ist die Fehlallokation staatlicher Ausgaben und staatlicher Schutzmaßnahmen.

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