London calling to the faraway towns
Now that war is declared-and battle come down
London calling to the underworld
Come out of the cupboard, all you boys and girls
– The Clash –

Was in London passiert, ist etwas nie dagewesenes? Koordiniertes Plündern und Krawallmachen allein spaßeshalber? Eine wilde junge, männliche, marodierende Meute, die einmal hier und dann wieder dort zusammenfindet? Den Tätern fehlt es an jedwedem kohärenten politischen Ziel? Letztendlich eine opportunistische und nihilistische Aufruhr? Andere Städte folgen dem schlechten Beispiel? Nein, machen wir uns nichts vor. Frankreich dient als Vorbild. Und bereits im Sommer des Jahres 1981 breiteten sich gewalttätige Unruhen in Großbritannien wie ein Flächenbrand landauf landab aus. Die Unruhen erschütterten über Monate hinweg Liverpool und Birmingham, Manchester, Derby, Blackburn, Bradford, Leeds und Leicester. Wo ist der Unterschied? Es gab noch kein Twitter und Facebook und die jetzt meinungsführende Journaille war in der Pubertät.

Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Geschehnisse erneut als Zündfunke für einender widersprechende politische und sozioökonomische Erklärungen dienen. Neu, aber nicht besonders originell ist der alleinige Verweis auf den Islam als Wurzel allen Übels. Natürlich spielt die Religion eine Rolle, natürlich die Masseneinwanderung. Aber gerade in London war und ist auch die autochthone Unterschicht Teil der Misere. Deshalb sollte man weiterdenken. Einen Hinweis auf die herrschenden geistigen Blockaden liefert heute die FAZ mit zwei eigentlich gegensätzlichen Beiträgen. Der eine sucht die Gründe in den sozialen Verhältnissen. Die primäre Ursache von Kriminalität in der Unterschicht ist soziale Ungerechtigkeit. Kriminalität als zwangsläufige Folge eines soziel-mechanischen Problems. Der andere liefert zumindest unterschwellig einen Hinweis darauf, dass Einstellungen, Mentalitäten und Überzeugungen der Marodeure eine Rolle spielen könnten. Doch was bleibt ist nur die simple Erkenntnis, dass triste soziale Verhältnisse keine Rechtfertigung für Gesetzlosigkeit sind. Und weiter? Nichts als Schweigen. Kommt solch eine Botschaft bei den, angeblich, Benachteiligten an?

Denn die Diagnose müsste weitergehen. Die britische Unterklasse ist, wohl mehr noch als die deutsche, moralisch haltlos. Und dies ist kein Pessimismus sondern bittere Realität und weise Vorausschau. In Großbritannien betrifft dieser so häufige Weg in den Abgrund sowohl eine ausländische, hauptsächlich islamische, als auch eine inländische Unterschicht. In einem Augenblick der Erkenntnis, auf den ich bereits verwies, sagte Kurt Beck einmal „Ohne Leistungswillen kann keine Gesellschaft auf Dauer bestehen.“ Denn das Streben nach oben zu kommen ist der Unterschicht abhanden gekommen, und dies in Großbritannien ausgeprägter, krasser als in Deutschland. Was wäre zu tun? Bei Journalisten scheint in diesem Zusammenhang selektive Wahrnehmungsstörung eine Rolle zu spielen.

Es ist die Botschaft, die Politik und bürgerliche Kreise an die Unterschicht senden. Denn nach einigen Jahrzehnten des Rufens nach sozialer Gerechtigkeit sollte es an der Zeit sein darüber nachzudenken, ob dieses Rufen kriminelles und asoziales Verhalten nicht relativiert, rechtfertigt oder gar verursacht? Ist diese Frage nicht erlaubt, oder ist es so schwer darauf zu kommen?

Die Finanzmetropole London gibt jedoch noch einen Hinweis in eine andere Richtung. Geld mit Geld zu verdienen ist ein schlechtes Geschäft. Dies wusste bereits Henry Ford. Aber wie die Geschehnisse in London zeigen nicht nur finanziell sondern auch moralisch. Zu verlockend ist die Aussicht, zu weitverbreitet ist die Praxis durch Geldschiebereien an der Arbeit anderer mitzuverdienen. Hier sollten sich die britischen Eliten mal an die eigene Nase fassen. Denn beim Kopieren des Verhaltens von Eliten durch das gemeine Volk sind Verzerrungen wohl eher üblich. Money for nothing. Auch die Unterschicht will ihren Teil. Die Wahrnehmung der Verwerflichkeit sich diesen Teil einfach zu nehmen, ist so manchem abhanden gekommen. Klare Worte in dieser Hinsicht fehlen in Politik und Presse.

P.S. Sieh mal einer an. Doch noch was konstruktives!