All die Leute, die nun auf allen Kanälen, in allen Blättern und in allen Talkshows, die Aufmerksamkeit der Deutschen von der eigentlichen Katastrophe, Erdbeben und Tsunami, ablenken und ohne Unterbrechung auf dem Atomunfall in Japan herumreiten, haben keine besonderes Interesse an Umweltschutz oder ähnlichem. Was sie jedoch verbindet ist der Wunsch nach Aufmerksamkeit, das Streben Recht gehabt zu haben und der Drang Wahlen zu gewinnen. Ihnen gefällt dieses Unglück, denn es ermöglicht ihnen, von eigenen Versäumnissen abzulenken und eigenes Fehlverhalten zu rechtfertigen.

Im Wikipedia-Artikel zu Tschernobyl findet sich ein interessanter Satz: „Negative mentale Auswirkungen gelten als die schwerwiegendsten gesundheitlichen Folgen des Unfalls.“ Man möchte dem hinzufügen, dass die einzigen wesentlichen negativen Folgen der Kernenergie als ganzes im mentalen Bereich liegen. Denn ansonsten hätten all diese Schlaumeier schon längst begriffen, dass kein erstzunehmender Wissenschaftler oder Ingenieur jemals ein Restrisiko für deutsche und andere westliche Kernkraftwerke ausgeschlossen hat. Auch würden sie dann verstehen, dass es Unfälle durch die Kernenergie im Vergleich zu allen den Katastrophen der letzten 100 Jahre kaum auf die Spitzenplätze bringen würden. Aber wen interessiert das schon. Denn wer Gutes will, der kann ja kein Idiot sein.

Nichtsdestotrotz hat die Meinung dieser Leute natürlich ihre Daseinsberechtigung, wie jede beliebige andere Meinung. Ärgerlich ist allerdings, dass diese Meinung all das heraufbeschwört, was die Deutschen als Gutes und Wertvolles im Irrationalen sehen. Homöopathie, Ablehnung von industrieller Landwirtschaft und Gentechnik, Wahrnehmung der ungenügenden Generativität und der Bevölkerungsabnahme der autochthonen Deutschen als schicksalhaft, unabwendbar und eigentlich auch gar nicht so schlimm, Lob auf die Windenergie und Ablehnung neuer Hochspannungstrassen und so weiter. Was sonst soll man noch sagen?

In dieser Situation helfende dann nur noch Blogs wie dieser. Pragmatismus, Realitätssinn und Mut sind aus Deutschland doch noch nicht ganz verschwunden. Selbst wenn die Hasenfußpolitik von Merkel und Westerwelle bezüglich Libyen eigentlich einer weiterer Beleg meiner tristen Diagnose ist.