Es war und ist so. Wer die Veränderung will, muss auch böse handeln können. Machiavelli erkannte dies schon vor 500 Jahren. In sofern sollten die derzeitigen Vorgänge in Stuttgart nicht verwundern. Herr Mappus und Frau Merkel befinden sich in bester Tradition. Solange sie ihre Grenzen erkennen. Und noch sind diese nicht erreicht. Natürlich ist es berechtigt, nach der Verhältnismäßigkeit zu fragen. Diese Frage relativiert sich aber, wenn sich die „Stuttgart 21“ Gegner mit dem Vorschicken von Kindern und Alten auf Hamas-Niveau begeben.

Das nächste Schlachtfeld tut sich bei der Wärmedämmung auf. Angela Merkel wagt sich an die Frage, was die Umwelt wert ist und wer das zukünftige wärmegedämmte und klimaneutrale Wohnen bezahlen soll, mit dem die Bundesregierung das Land bis zum Jahr 2050 von einem guten Teil seiner CO2-Emissionen befreien will. Da jault eine Wählergruppe auf, die um vieles stimmgewaltiger als ein paar Stuttgarter ist: Die 39 Millionen Mieter in Deutschland. Sie sollen mehr für die Wärmedämmung ihrer Wohnzimmer zahlen, findet die Kanzlerin.

Erinnern wir uns. Die Ökos schlechthin sind schon einmal für ähnliches abgestraft worden. Das war 1997 und das ordnungspolitische Instrument zur Rettung des Klimas war der Preis von fünf Mark für den Liter Benzin. Wer dem Bürger der Umwelt zuliebe in die Tasche greifen will, braucht ein dickes Fell. Umwelt hin oder her, der Bürger hält es nach wie vor mit Brecht: Erst das Fressen, dann die Moral. Nimby-Lobbyismus ist offenbar keine Frage der politischen Orientierung  sondern erscheint als Grundkonstante der menschlichen Natur.

Umso erstaunlicher die Wendung, der als Zaudererin bekannten Pastorentochter aus der Uckermark. Partikularinteressen und Hegemonie der Bedenkenträger oder nachhaltige industrielle Erneuerung. Frau Merkel hat sich für letzteres entschieden und dies ist gut so. Dazu ein abschließend ein kleiner Exkurs in die Geschichte. Gerade wir Norddeutschen verdanken dem Fällen von Bäumen einen Fortschrittssprung in Form des Eintritts in die christlich-abendländische Welt. Im 8. Jahrhundert ließ Bonifatius die Donareiche fällen und kurz darauf wurde auf Veranlassung Karls des Großen die Irminsul am Gresberg bei Bremen zerstört. Nur ein Narr kann dies heute noch beklagen.