In der aktuellen Diskussion um Zuwanderung und Integration hatte ich bereits auf einen Widerspruch hingewiesen. Die relativ geringe Generativität der autochthonen deutschen Bevölkerung, die in einer kulturerhaltend ausreichenden Zahl eigener Kinder eine Bedrohung bezüglich ihrer Freizügigkeit, ihrer Selbstbestimmtheit und ihres Karrierestrebens sehen, sich aber gleichzeitig vor dem Untergang der eigenen Kultur fürchtet.

Ein anderer Aspekt, der für mich intuitiv und a priori eine Rolle spielt, aber so gut wie nie erwähnt wird, ist die Frage des Einflusses von Hautfarbe und Physiognomie auf den Grad und Erfolgsgrad von Integration und letztendlich Assimilation. Schaut man sich die Einwanderungsgeschichte der Neuzeit an, war Integration war allem dann erfolgreich, wenn die Einwanderer in Hautfarbe und Physiognomie der aufnehmenden Bevölkerung ähnlich waren.

Zwei Beispiele. Zunächst die Einwanderung der Ruhrpolen ins deutsche Ruhrgebiet. Gab es bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch vielfältige Konflikte, so sind die Nachkommen der Einwanderer heute außer an den vielen polnischen Nachnamen im Ruhrgebiet und einigen letzten kulturellen Resten kaum noch von der angestammten Bevölkerung zu unterscheiden. Ein anderes Beispiel ist die irisch-katholische Einwanderung in die Vereinigten Staaten von Amerika Mitte des 19. Jahrhunderts. Noch Ende des 19. Jahrhunderts gab es antiirische Ausschreitungen. Heute sind Irischstämmige in den USA voll assimiliert. Dem gegenüber stehen zum Beispiel die Nichtintegration der Zigeuner in Europa oder vieler Schwarzer und Einwanderer aus Lateinamerika in den USA. 

Auch auf Grundlage eigener Erfahrungen und Empfindungen wundert es mich, wie wenig Hautfarbe und Physiognomie als Faktoren der Integration bei der einwandernden und aufnehmenden Bevölkerung wahrgenommen werden. So passiert es mir immer wieder bei Reisen durch die ehemalige Sowjetunion, in den Iran oder in die Türkei, dass ich mich Menschen die mir von der Hautfarbe und Physiognomie her ähnlicher sind, näher fühle.

In den USA wird übrigens weiß sein und schwarz vielfältig diskutiert. Dass sich durch Hautfarbe und Physiognomie stark von der autochthonen Bevölkerung beziehungsweise der Mehrheitsbevölkerung unterscheidende Menschen es bei der Integration trotz religiöser Konversion oder Annahme einer anderen kulturellen Identität einfach schwieriger haben, ist jedoch in Deutschland kein Thema. So könnte man mal darüber fabulieren, was wäre wenn die Mehrheit der nach Deutschland eingewanderten Muslime blond und blauäugig wäre.