Hier eine kleine Geschichte die ein erhellendes Licht auf das heutige Deutschland wirft. Sie zeigt uns zunächst, dass Versuchung und Dummheit jeden in einen Hinterhalt locken können. Insbesondere denjenigen, der sich selbst für unverwundbar hält.

Vor zwölf Tagen bekannte sich der Inhaber einer Rohrleitungsbaufirma, Eginhard Vietz, zur Zahlung von Schmiergeldern zur Erlangung von Aufträgen im Ausland. Es gebe nun mal Länder, in denen es nicht anders gehe, so der Unternehmer aus Hannover im Interview des Handelsblatts. Vergangene Woche bekam er Besuch von der Staatsanwaltschaft. Der Fall schlägt hohe Wellen. Denn der Niedersachse ist nicht irgendein Unternehmer in Deutschland. Der Rohrleitungsspezialist verfügt über beste Verbindungen bis in die Spitzen der deutschen Politik. Aber lassen wir die Politik mal kurz beiseite um etwas tiefer zu schauen, und zwar auf die Ehrlichkeit. Die Ehrlichkeit ist nämlich eine merkwürdige Tugend. Wird sie zu unnützen oder schädlichen Zwecken angewandt, wandelt sie sich in eine Untugend. Und Herrn Vietz’ Äußerungen waren nun wirklich mehr als unnütz.

So wie mit der Ehrlichkeit ist es allerdings auch mit der Korruption. Denn die Korruption im Allgemeinen und Abstrakten ist eine Untugend. Aber schlechtes Verhalten kann manchmal einen guten Effekt haben und umgekehrt. 

Wenn Bürokratie und Verwaltung schlank und effizient sind, sind Ehrlichkeit und Korruptionsfreiheit sicherlich vorteilhaft. Aber wo dies nicht der Fall ist, wie ich aus eigener Erfahrung in Aserbaidschan, Kasachstan und Russland kenne, behindern sie den schöpferischen und tatkräftigen Menschen. Solange die politische und ökonomische Klasse dieser Länder nicht in der Lage und/oder willens ist, Verwaltung und Bürokratie effizient zu gestalten, stellt Bestechung eine effektive Methode der Effizienzerhöhung dar. Wovon übrigens nicht nur der deutsche Importeur profitiert. 

Was hat Herr Vietz sich nun also vorzuwerfen? Dummheit vielleicht. Moralisch sollte er keine Reue zeigen. Zugegeben, meine Ausführungen sind etwas einseitig. Und sie gelten wahrscheinlich nicht für Länder, in denen die Korruption allgegenwärtig ist und totalitäre Züge annimmt. Aserbaidschan mag auf dem Weg dahin sein. Aber dennoch macht es sich der deutsche Gesetzgeber zu einfach. Eine Bestrafung von Herrn Vietz hilft niemandem. Nicht in Deutschland und nicht in Russland oder Nigeria. Seine Dummheit mag jedoch helfen, da die Angelegenheit jetzt breite Wellen schlägt. Und das ist die eigentliche Ironie der Geschichte.

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