Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert. Sparen ist eine Tugend. Spare in der Zeit, so hast Du in der Not. Sparsamkeit und Fleiß machen Häuser groß. Sätze wie diese waren einst Allgemeingut. Noch in meiner Kindheit vor 30 Jahren waren sie sehr verbreitet. Besonders nach dem zweiten Weltkrieg lernten die Deutschen, dass es vorteilhaft war, mit seinen finanziellen Reserven vorsichtig umzugehen, statt sie zu verpulvern oder mit ihnen zu spekulieren. Dieses Verhalten war verbunden mit Wohlstandvermehrung und wirtschaftlicher Stabilität.

Diese Sprichworte wurden jedoch in den letzten 20 Jahren kaum gehört. Statt dessen hatten wir zunächst die Internetära, die zu beweisen schien, dass es keine Grenze für den DAX oder unser persönliches Vermögen gab. Dann die aktuelle Kreditkrise, in der billiges Geld und ein unrealistischer Blick auf die freie Markwirtschaft eine unheilige Allianz eingingen. Charakterzüge wie Genügsamkeit und Sparsamkeit erschienen als obskure Ideen aus einer anderen Zeit. Wer diese Werte vertrat, erschien entweder als dumm oder rückständig.

Eine Wirtschaft basierend auf Genügsamkeit und Sparsamkeit hat Europa Wachstum und Wohlstand gebracht. Heute, trotz Krise, beruht unsere Wirtschaft nach wie vor auf Konsum, Schulden und Krediten. Tausende privater, profitgieriger Individuen und Firmen stehen jederzeit bereit, den Wahnsinn zu wiederholen und sich an diesem zu bereichern. Dem Sparen steht allerdings nicht nur eine Kultur des Überflusses und des Zockertums entgegen sondern auch die Finanzpolitik der westlichen Regierungen. Gibt und gab es wirkliche keine Alternative zur Aufblähung der Staatsverschuldung? Wäre eine Wirtschaftspolitik gerichtet auf ein vernünftiges Sparen und angemessenen Konsum keine Alternative?

Dies würde nicht eine größere Einmischung des Staates bedeuten. Gerade die Ausweitung des Wohlfahrtsstaates hat zur Erosion der Sparsamkeit beigetragen. Eine Regierung, die alles verspricht und bereithält, überzeugt die Bevölkerung, dass man eigentlich für nichts Vorkehrungen treffen muss. Dies führt jedoch am Ende in die Krise, da es die Fähigkeit der Bevölkerung unterminiert, Gewohnheiten zu entwickeln, die für den Fortbestand einer freien Gesellschaft notwendig sind. Sich auf den Staat zu verlassen, vernebelt außerdem den Blick auf die einfache Realität, dass staatliche Transfers letztlich vom Wohlstand der Bevölkerung abhängen. Wenn eine Regierung diesen Wohlstand mindert, beschränkt sie ihre eigene Effektivität.

Ein disziplinierter Kapitalismus kann nicht einfach oktroyiert werden. Er erfordert soziale Sanktionen, Ausbildung und Erziehung. Und es besteht eine Korrelation zwischen Wohlstand und bestimmten Religionen. Hier gibt es einen recht aufschlussreichen Bericht aus Großbritannien „An Anatomy of Economic Inequality in the UK – Report of the National Equality Panel”.

Dieser Bericht enthält Daten jenseits des ständigen Verweisens auf die Zunahme ökonomischer Ungleichheit. Gelistet wird der Medianwert des Nettovermögens von Haushalten in Großbritannien in Abhängigkeit von der Religionszugehörigkeit. Die Zahlen sind die folgenden:

  • Muslimisch: 41 610 £
  • Keine Religion: 161 100 £
  • Hinduistisch: 206 133 £
  • Christlich: 222 905 £
  • Sikh: 228 692 £
  • Jüdisch: 422 148 £

Es wird deutlich, dass weder Konzentration von Vermögen noch Vorurteile den wirtschaftlichen Aufstieg einer sozialen Gruppe in einer einigermaßen freien Gesellschaft verhindern können, wenn diese Gruppe den Willen hat aufzusteigen. Die meisten Juden in Großbritannien sind die Nachfahren osteuropäischer Juden, die vor 100 Jahren immigrierten. Diese Menschen waren extrem arm und wurden von der lokalen Bevölkerung verachtet und ausgegrenzt. Eine weitere wichtige Gruppe unter den Juden sind die Nachfahren von Flüchtlingen aus Nazideutschland, die mittellos nach Großbritannien kamen. Der Aufstieg der Juden zu Wohlstand startete unmittelbar nach ihrer Ankunft trotz Vorurteilen und einer größeren Vermögenskonzentration in  ebenfallsder Oberschicht als heute. Die Sikhs kamen 60 bis 70 Jahre nach den Juden. Auch sie waren bei ihrer Ankunft mittellos und sind dennoch inzwischen die zweitreichste religiöse Gruppe im Vereinigten Königreich. Die meisten Muslime kamen zur gleichen Zeit wie die Sikhs. Dennoch stehen sie ökonomisch weit zurück.

Insgesamt zeigen die Zahlen, dass in einer offenen Gesellschaft kulturelle und religiöse Einstellungen einen wesentlichen Einfluss auf die ökonomischen Aussichten einer sozialen Gruppe haben. Vor diesem Hintergrund erscheint ein wertfreier Säkularismus kombiniert mit einer muslimischen Unterschicht und einem unmoralischen ökonomischen System als die Garantie für wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang. Dies sollte der Politik zu denken geben.