Einzelfälle werfen von Zeit zu Zeit ein grelles Licht auf den Zustand eines Landes oder einer Gesellschaft. Der Mordanschlag auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard und die blutige Auseinandersetzungen afrikanischer Immigranten mit der Polizei in einer Kleinstadt in Kalabrien sind zwei solche Fälle. Denn unterschiedlicher könnte die Behandlung in den etablierten Medien und in der wahrnehmbaren Öffentlichkeit kaum sein.

Zunächst die Frage der Legalität. Es wird zwar vielfach dargestellt, dass sich ein Teil der Migranten illegal in Italien aufhält. Eine Bewertung, mit der Ausnahme von Anklagen gegen den italienischen Staat, findet dies jedoch nicht. Genauso wenig wird darauf verwiesen, dass die illegale Gewaltanwendung der Immigranten die Situation offensichtlich eskaliert hat. Mit anderen Worten, der Immigrant darf illegale Gewalt anwenden. Er bleibt in jedem Fall Opfer. Anders sieht die bei Kurt Westergaard aus. Niemand verweist darauf, dass sein Handeln, die Veröffentlichung der Mohammed-Karrikaturen, unzweifelhaft vollkommen legal war. Mit anderen Worten, die Bewertung eines Verbrechens hängt heute hauptsächlich davon ab, wer das Opfer war oder ist. 

Die intellektuelle Unaufrichtigkeit der Kommentatoren und Berichterstatter tritt auch in der Darstellung der Angst der Opfer zu Tage. So wird die Angst und das Leiden der Immigranten als selbstverständlich vorausgesetzt. Kurt Westergaard dagegen wird dargestellt als ein starrköpfiger Rentner, und dies selbst in der FAZ. Dass auch er wahrscheinlich Angst verspürt, scheint irrelevant. Und die Angst so vieler anderer, nach den Morden an Pim Fortuyn und Theo van Gogh und den Drohungen gegen die Islamkritiker Geert Wilders, Ayaan Hirsi Ali und Robert Redeker, ist ohnehin kein Thema mehr. Dass diese Leute heutzutage oftmals versteckt leben und ihren persönlichen Schutz weitgehend selbst finanzieren müssen, empört kaum jemanden. 

Den widerwärtigsten Kommentar zu diesem Thema fand ich im Britischen Guardian von Nancy Graham Holm: “Muslims failed to see Westergaard’s cartoon as satire. Instead, they saw in it a defamatory and humiliating message: Muslims are terrorists. Humiliation is a devastating feeling.“ Und offenbar rechtfertigt Demütigung so einiges. Denn mit Empathie und moralischer Unterstützung haben in diesem, unseren Europa nur noch diejenigen zu rechnen, die vermeintlich ungerecht behandelt wurden. Egal ob sie selbst Verbrechen begangen haben oder nicht. 

Derjenige, der seine Rechte wahrnimmt und dadurch ins Visier von Extremisten oder Spinnern gerät, muss dagegen damit rechnen, weitgehend ungeschützt und ohne moralischen Beistand aus Politik und Medien zum Opfer zu werden. Die Rechtsstaatlichkeit schwindet. Europa wird wieder zu einer Gesellschaft in der der besseren Moral und vermeintlicher Menschlichkeit der Vorrang eingeräumt wird.