Ein britischer Kollege hatte mich auf den europaskeptischen britischen Politiker Nigel Farage aufmerksam gemacht. Zwar bin ich ein Vertreter der Bewahrung nationalstaatlicher Souveränität. Besonderes hatte ich jedoch nicht erwartet, zumal europaskeptische Parteien und Politiker in der Vergangenheit in der Regel durch Unprofessionalität oder kruden Links- oder Rechtsradikalismus aufgefallen sind. Doch ich wurde positiv überrascht. Nigel Farage schafft es, die politische Klasse, die den einheitlichen europäischen Staat genau deshalb liebt, weil er sich so vollständig jedweder politischer Aufsicht geschweige denn Kontrolle entzieht, zu düpieren. Die Damen und Herren, für die Europa nicht zuletzt einen großartigen Pensionsfond darstellt, werden mal so richtig eingeseift. Anlass dieser bemerkenswerten Demütigung war die Plenardebatte des europäischen Parlaments am Mittwoch den 25. November in Straßburg. Aber sehen Sie selbst:

Den Text der Rede Farages können Sie hier nachlesen und die Wortmeldung der sozialistischen Abgeordneten Edit Herczog hier. Bezeichnend wie der Parlamentspräsident Buzek Farage zurechtweist, den Vergleich Farages mit einem Affen und dessen Hinterteil durch die sozialistische Abgeordnete aber ungesühnt lässt. Noch peinlicher wird es dann als nach einer Anfrage einer Fraktionskollegin Farages Martin Schulz, seines Zeichens Vorsitzender der Sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament, das Wort ergreift. Für seine Kritik an Berlusconi hatte er meinen Respekt. Was er sich jedoch hier und an anderer Stelle leistet offenbart wohl seine wirkliche Einstellung zur Meinungsfreiheit und Demokratie. “Ich glaube nicht, dass die Bürgerinnen und Bürgern in Europa ein großes Interesse daran haben, in welcher Form jetzt Herr Van Rompuy oder Frau Ashton ausgewählt wurden.“ Danke, alles klar. Der Bürger hat ja ohnehin keinen Zutritt zu den Hinterzimmern.

Deutliche Worte vom britischen Abgeordneten Nigel Farage. Parlamentspräsident Buzek rügt ihn für seine Wortwahl und seinen Tonfall. Inhaltlich kapitulieren er und andere. Bezeichnend für den Menschenschlag, der uns in Brüssel und Straßburg regieren will.