„If we can’t think for ourselves, if we’re unwilling to question authority, then we’re just putty in the hands of those in power. But if the citizens are educated and form their own opinions, then those in power work for us. In every country, we should be teaching our children the scientific method and the reasons for a Bill of Rights. With it comes a certain decency, humility and community spirit. In the demon-haunted world that we inhabit by virtue of being human, this may be all that stands between us and the enveloping darkness.” – Carl Sagan 

 

Allseitiges Frohlocken, wegen des in den Koalitionsverhandlungen beschlossenen Stopps der Internetsperren. FDP-Sieg bei Bürgerrechten, titelt der Spiegel. Nun ist die Abwendung von Zensurmaßnahmen ohne Zweifel ein Sieg für die Freiheit. Ist es damit getan? Ich fürchte nicht. Vielmehr befürchte ich, dass die Freiheit an ganz anderer Stelle bedroht ist. Und zwar durch die Veränderungen in den Einstellungen der Menschen selbst. Das Bundestagswahlergebnis, sollte in diesem Zusammenhang zu denken geben. Denn wer bei Freiheit aufgrund aktueller Ereignisse bevorzugt an Zugang zu Informationen denkt, denkt gefährlich eindimensional.

“Man muss sich doch fragen: Machen wir Mathematik oder Politik für die Emotionen der Menschen?“ (Klaus Wowereit am 28.9. 2009)

So erklärte Klaus Wowereit am Tag nach der Wahl die Niederlage SPD am Beispiel der von der SPD unterstützten Rente mit 67. Es geht ihm nicht um die Sache selbst, sondern um politische Rhetorik und wie man die Menschen emotional überzeugt. Im Grunde nichts Neues. Nur, es nimmt überhand. Denn schaue ich mir die Wahlkämpfe von CDU und der Linken an, so sind sie genau auf diese Weise erfolgreich. Ich will das Verhalten der Politiker gar nicht moralisch bewerten. Was bleibt ist der Sieg der Emotion über das Argument in der heutigen Politik. Es besteht auch gar nicht mehr der Anspruch beides zu verknüpfen. „Die Menschen da abholen, wo sie sind!“ Und dann zur Wahlkabine und zur richtigen Wahlentscheidung führen. Das reicht. Kein Anspruch mehr darauf, die Menschen zu Höherem und Besserem zu geleiten. 

Vor diesem Hintergrund ist es wohl inzwischen ein Trugschluss, dass eine Mehrheit der Menschen, oder wenigstens der Deutschen, frei sein wollen. Im Gegenteil, wenn Freiheit mit Verantwortung und Mühe verbunden ist, können viele auf die Freiheit verzichten. Sie tauschen gern ihre Freiheit gegen bescheidenen Wohlstand und Sicherheit ein. Freiheit erscheint nur noch dann attraktiv, wenn andere oder die Allgemeinheit zahlt, sollte etwas schief gehen. Hier besteht interessanterweise kein großer Unterschied in den Einstellungen von so manchem Investmentbanker, Hartz-IV-Empfänger und straffällig gewordenen Migranten. 

In den letzten Jahrzehnten hat eine sonderbare Gesinnung in Deutschland die Überhand gewonnen. Bürgersinn, Unabhängigkeit und Gleichmut. Eigenschaften, die ich bei so manchem Vertreter gerade der älteren Generation mit gewisser Bewunderung in Erinnerung habe, sind auf dem Rückzug. Ersetzt wurden sie durch Weinerlichkeit, Entschuldigungen, Beschwerden und dem Einfordern spezieller Begünstigung. „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Wer glaubt noch daran? Stattdessen fühlt sich wohl inzwischen eine Mehrheit als Knetmasse in den Händen des Schicksals und der, angeblich, Mächtigen.

Auch die Medien tragen ihren Teil dazu bei. Täglich hört und liest die Bevölkerung über Ungleichbehandlungen und Ungerechtigkeiten. Ist eine Frikadelle eine Bagatelle? Hier schlagen die Emotionen hoch. Die Leute glauben, dass sie in der schlechtesten aller Zeiten und allseitiger Willkür, Heuchelei und Ungerechtigkeit leben. Dass die Menschen in Deutschland im Vergleich mit der Vergangenheit und vielen anderen Teilen der Welt extrem bezüglich ihres Lebensstandards und ihrer Entwicklungsmöglichkeiten gesegnet sind, wird verdrängt oder als Selbstverständlichkeit wahrgenommen. Es fehlt an Dankbarkeit und Bescheidenheit als Grundlage zu Höherem, zur Überwindung der eigenen Scheinheiligkeit.