Selbst in den achtziger Jahren haben mich Michael Jackson und seine Musik nicht berührt. In sofern ist es wohl konsequent, dass nicht sein Tod sondern die Reaktionen darauf, mich nach langem Schweigen mal wieder zu einem Beitrag an dieser Stelle bewegt haben. Wie wunderbar passt an dieser Stelle ein Zitat der Smiths „Because the music that they constantly play. It says nothing to me about my life”. Sehe ich nun aber die Reaktionen auf Michael Jacksons Tod. Wie viel sagen sie mir über das Leben der heutigen Menschheit.

De mortuis nil nisi bene dicendum. Ewige Ruhe schenke ihm, Herr! Das ewige Licht möge ihm leuchten! Mein Beileid gilt den Angehörigen Michael Jacksons und denen, die ihm wirklich nahe standen. Und wenn ich nun Abträgliches über Michael Jackson sage, so geschieht dies mit Wohlwollen gegenüber seiner Person.

Denn die menschliche Bilanz des globalen Showgeschäfts ist es, die bitter und beklagenswert ist. Und Michael Jackson verkörperte dessen trauriges Motto. Prominenz ist alles, auch wenn es größte Opfer fordert. Und Michael Jackson hat seine geistige und körperliche Gesundheit geopfert. Und geopfert wurde er nicht zuletzt von denen, die ihn zum Star gemacht haben und die die ihn als Star sehen wollten. Globaler Megastar war und blieb er, ob als Idol oder Lachnummer wie zuletzt. Als Mensch blieb er für mich jedoch ein Nichts. Rätselhaft wie so viele Menschen ihre unerfüllten Sehnsüchte projizierten.

Schaue ich nun die Interviews mit Stars, Sternchen und Unbekannten aus der weiten Welt, so wird deutlich wie abhängig die Welt inzwischen von derartig durchkommerzialisierter (Musik-)Kunst ist, wie Michael Jackson sie verkörperte. Und wie wenig die Menschen dieser Kunstwelt entfliehen oder sich ihr entziehen können. Vor diesem Hintergrund ist ein Aufruf zur Vermischung von Musikern beziehungsweise Schauspielern und Publikum angebracht, wie ich es auch bereits an anderer Stelle tat. Dies wäre ein wirklicher Fortschritt für die Menschheit. Die Faszination des roten Teppichs ist es nicht. Sie vernebelt den Blick, steht dem klaren Denken entgegen. Wird es die Menschheit in ihrer kulturellen Evolution so weit bringen?