Eine Kuh wird in der Europäischen Union im Durchschnitt mit zwei Euro pro Tag subventioniert. Der am in Aserbaidschan gültige monatliche Mindestlohn beträgt 50 Manat, was etwa 43 Euro entspricht. Man könnte nun konstatieren, dass die Europäer in monetären Maßstäben ihren Kühen eine höhere Wertschätzung entgegenbringen als die aserbaidschanische Regierung ihren Bürgern. 

Natürlich ist dies zu kurz gedacht, zeigt aber doch die Absurdität des Systems der EU-Agrarsubventionen. Um die ist es in letzter Zeit verdächtig ruhig geworden. Vermutlich liegt dies daran, dass die EU-Bürger jede Hoffnung auf Besserung verloren haben. Spitzenreiter unter den Subventionsempfängern sind üblicherweise Europas Rinder. Um die Überschussmengen loszuwerden wird munter subventioniert – der Export von billigem Milchpulver ebenso wie von überschüssiger Butter.

Ein Teil dieser Butter landet hier in Baku. Wobei zu fragen ist, wer von den Exportsubventionen am meisten profitiert. Glaubt man Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam, so gehören multinationale Konzerne zu den größten Profiteuren von Agrarsubventionen. Weitgehend unstrittig ist, dass unter den europäischen Landwirten die Subventionen nach wie vor sehr ungleich verteilt sind. Die derzeitige Verteilung kommt den Betrieben zugute, die mit möglichst wenig Menschen möglichst viel Fläche bewirtschafteten. Dadurch erhalten Großbetriebe je Arbeitskraft höhere Zahlungen als Kleinbetriebe. Die bäuerliche Landwirtschaft wird dadurch benachteiligt.

Fährt man durch Aserbaidschan, so ist es offensichtlich, dass sich die Lage der hiesigen bäuerlichen Landwirtschaft wenn überhaupt nur langsam verbessert. Die EU-Subventionen werden daran ihren Anteil haben. Was mich immer wieder in Erstaunen versetzt, ist die grundlegende Sinnlosigkeit des Ganzen. Butter von Meggle aus Wasserburg, von Nordmilch aus Edewecht oder von anderswo her aus Deutschland – sie alle haben mindest 3500 Kilometer Transport hinter sich und dies wohl größtenteils auf dem Landweg. Und inzwischen wird hier auch für neuseeländische Butter geworben.

Der volkswirtschaftliche Unsinn des Ganzen ist offensichtlich, zumal klimatisch und von der Vegetation her Aserbaidschan bei der Milchproduktion ohne Zweifel autark sein könnte. Der EU-Bürger zahlt doppelt. Einmal in Form der EU-Exportsubventionen und ein zweites Mal in Form von EU-Beihilfen an Aserbaidschan, die unter anderem lokalen Nahrungsmittelherstellern helfen sollen, ihre Exportchancen zu verbessern. In der EU-Agrarpolitik bleibt der gesunde Menschenverstand seit langem außen vor. Verdeutliche ich einem Aserbaidschaner diesen offensichtlichen Widerspruch, so bleibt entweder Erstaunen oder Unglauben.

 

Deutsche Butter in Aserbaidschan