Inzwischen gibt es eine befestigte Straße. Ein Grund nicht nach Xinaliq zu kommen. Wird es doch die Anzahl an Touristen deutlich erhöhen. Wir waren im Sommer 2006 dort. Die Straßenbauarbeiten hatten gerade begonnen, was dazu führte, dass wir von Quba fast sieben Stunden brauchten. Aber ich will nicht klagen. Ermöglichte es uns doch einmalige Einblicke in den aserbaidschanischen Straßenbau. Auch die Umleitung, die sich nur Dank tatkräftiger Unterstützung einiger Einheimischer bewältigen ließ, bleibt unvergesslich.

 

Xinaliq ist ein abgelegenes Dorf im aserbaidschanischen Teil des nördlichen, hohen Kaukasus auf 2400 Meter Höhe. Das Dorf ist insofern einmalig, als dass dort und in einem nahe liegenden Weiler eine Ethnie von etwa 2000 Menschen lebt, die sprachlich und ethnisch mit der umliegenden aserbaidschanischen, lesgenischen und awarischen Bevölkerung nichts gemein hat. Dies versetzt selbst Aserbaidschaner aus dem nur 300 Kilometer entfernten Baku in Erstaunen. Jedoch war bereits im Altertum der Kaukasus für seine unglaubliche Sprach- und Völkervielfalt bekannt. Belege finden sich unter anderem bei Herodot und Strabo.

 

Wer von Quba nach Xinaliq fährt, erlebt in kurzer Abfolge eine Kette unterschiedlichster Landschaften. Fährt man zunächst durch grüne Hügel, so findet man sich innerhalb kürzester Zeit in einer tiefen Schlucht wieder. Daran schließt sich eine Berglandschaft an, die an die Pyrenäen erinnert. Nährt man sich weiter Xinaliq, so gelangt man in ein weites und langes Hochtal, bei dem man nicht erwartet an seinem Ende eine menschliche Siedlung zu finden. Wer Xinaliq besuchen möchte, kann hier weitere Informationen bekommen.

 

Was den westlichen Besucher in Erstaunen versetzt, ist die Tatsache, dass sich an diesem Ort eine einmalige Sprache und Kultur über Jahrhunderte trotz türkischer, persischer, russischer und sowjetischer Herrschaft nicht weit entfernt von der quirligen und chaotischen Großstadt Baku erhalten konnte. Die kaukasische Gastfreundschaft ist in Xinaliq kein Cliché sondern, noch, Realität. Wer es deftig mag, sollte sich ein Schaf oder besser eine Ziege kaufen und die Zubereitung den Einheimischen überlassen. Das „bjeloje mjaso“ war wirklich vorzüglich.

 

Auch bemerkenswert ist die Deckung des Energiebedarfs zum Kochen und Heizen durch „nachwachsende Rohstoffe“ auf der Basis von Kuh-, Schaf- und Ziegendung. Zehn Kilometer jenseits von Xinaliq findet man auf über 3000 Meter Höhe ein ewiges Feuer, das von natürlich austretendem Erdgas gespeist wird und sich bestens zum Grillen eignet. Trotz allem hat die moderne Welt vor Xinaliq natürlich nicht halt gemacht. Kurz nach Ankunft in der Privatunterkunft mit Familienanschluss präsentierte uns der stolze Sohn des Hausherren das Satellitenfernsehen inklusive Sexkanal. Unsere ablehnende Haltung wurde mit Verwunderung aufgenommen.