Hier in Baku ist es nur ein Thema unter vielen. Vom Klimawandel werden alle Staaten der Erde betroffen sein. In Deutschland überschlagen sich die Politiker in ihren Lösungsvorschlägen und Schuldzuweisungen. Der eine will die Kernkraft wiederbeleben, der andere meint in japanischen Automarken den Heilsbringer gefunden zu haben. Diese Diskussion erscheint müßig, betrachtet man die politischen Realitäten hier in Aserbaidschan. Natürlich vernimmt die hiesige Regierung die Warnungen vor der Klimakatastrophe. Auch die vor Ort befindlichen internationalen Organisationen werden nicht müde, in ihren Hinweis auf den notwendigen Ausbau erneuerbarer Energien. Doch die Mächtigen in Baku, so sie denn nicht damit beschäftigt sind, ihren auf zweifelhaftem Wege erworbenen Reichtum zu vermehren, schaffen lieber Arbeitsplätze als das Klima zu schützen. Und das geht aus ihrer Sicht am einfachsten mit fossiler und somit klimaschädlicher Energie.

 

In der aserbaidschanischen Presse ist der Klimaschutz nur ein Thema unter vielen. Der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac rief nach der Tagung des Intergovernmental Panel on Climate Change im vergangenen Jahr in Paris eine „Revolution zur Rettung der Erde“ aus. Revolutionär ist in Aserbaidschan derzeit lediglich der steile Anstieg der Öl- und Gasexporte. Deutsche Exportschlager nach Aserbaidschan sind nicht energieeffiziente oder klimaneutrale Technologien sondern die Mercedes S-Klasse, der Porsche Cayenne und der Volkswagen Touareg. In Baku gibt es ein Windrad. Und dies steht mehr als daß es läuft. Ähnliches gilt für andere Schwellenländer, sei es im Bereich der ehemaligen Sowjetunion oder in Süd- und Ostasien. Es ist also mehr als fraglich, daß es zu schnellen, drastischen Maßnahmen für den Klimaschutz auf globaler Ebene kommen wird. Eine radikale Drosselung der Produktion kommt für die Öl und Gas fördernden Länder nicht in Frage. Die Schwellenländer werden bis auf weiteres für eine weiter steigende Nachfrage sorgen.

 

Verschiedene Staaten und Nichtregierungsorganisationen fordern die Bildung einer neuen Uno-Umweltorganisation mit weit reichenden Kompetenzen. Außerhalb der EU ist jedoch kaum ein einflussreicher Staat wirklich bereit, einen Teil seiner Souveränität in der Energie- und Wirtschaftspolitik abzugeben. Also sollte man sich an den Realitäten orientieren. Dies heißt zum einen für Deutschland Vorbereitung auf den Klimawandel. Ein Thema unter vielen wäre hier der Küstenschutz. In der aktuellen öffentlichen Diskussion findet dies jedoch kaum Widerhall. Eine unangenehme aber unleugbare Tatsache ist, daß durch die Umstellung auf nachwachsende Energieträger Agrarland verloren geht und die Nahrungsmittelproduktion eingeschränkt wird. Ohne Innovationen in der Agrarwirtschaft ist dieses Problem bei anhaltendem Bevölkerungsdruck nicht zu lösen. Auf Seite der Energiebereitstellung besteht bei intelligenter und rationaler Etablierung von klimafreundlichen Technologien eine große Chance, daß Deutschland seine zukünftige Energieversorgung wesentlich klimaschonender und kostengünstiger gestalten kann. Dies wird den Klimawandel nicht verhindern, aber abmildern. Was ebenfalls zur Abmilderung des Klimawandels beitragen kann aber derzeit noch fehlt, ist eine entschlossene Steigerung der Energieeffizienz. Auch in Deutschland liegen in diesem Bereich noch viele Potentiale brach.

 

Und hier schließt sich der Kreis. Wird der Westen energieeffizienter, werden es auch die Schwellenländer. Denn Energieeffizienz heißt dann letztlich auch höhere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Öl- und Gasexporte wird es weiterhin geben, nur in geringerem Umfang. Gerade für ein Land wie Aserbaidschan, das sich in einer tiefgreifenden Umstellungsphase befindet, es ist sicherlich nicht von Nachteil wenn die Öl- und Gaseinahmen langsamer und dafür länger fließen.